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Mo, 18.06.
2255 – 0103

MDR

Das Leben der Anderen

Gesellschaftsdrama, Deutschland 2005

1984, fünf Jahre vor dem Ende der DDR, steht vor allem die lebenslustige Künstlerszene in Ost-Berlin unter Beobachtung der Stasi. Ein ganz scharfer Hund ist Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler , der bei Verhören kein Druckmittel auslässt und sogar an der Stasi-Hochschule als unmenschlich verschrien ist. Als er auf den Theaterregisseur Georg Dreyman angesetzt wird, dessen schöne Lebensgefährtin, die Schauspielerin Christa-Maria Sieland , beim Kulturminister Hempf Hormonalarm auslöst, scheint das einer dieser üblichen Jobs zu sein - Wohnung verwanzen, Nachbarn einschüchtern, observieren, einen dunklen Punkt finden. Doch das übliche Spiel entgleitet dem sonst so gefühlsmäßig imprägnierten, unscheinbaren Mann. Die fremde Welt von Kunst und Literatur, freiem Denken und Reden, Liebe und Leidenschaft fasziniert ihn, immer mehr dringt er in "Das Leben der Anderen" ein, schreibt nach Lustschreien akribisch ins Protokoll "vermutlich Geschlechtsverkehr". Irgendwann macht der sonst so trockene Technokrat nicht mehr mit, schützt die ahnungslosen Opfer, die er durch den "operativen Vorgang" zu "Staatsfeinden" stempeln sollte - lässt sogar Beweisstücke wie eine Schreibmaschine verschwinden, auf der Dreyman für den "Spiegel" einen Artikel über die Selbstmordrate in der DDR geschrieben hat.

Personen

Besetzung Martina Gedeck Christa-Maria Sieland
Hauptmann Gerd Wiesler
Sebastian Koch Georg Dreyman
Ulrich Tukur Oberstleutnant Anton Grubitz
Thomas Thieme Minister Bruno Hempf
Hans-Uwe Bauer Paul Hauser
Herbert Knaup Gregor Hessenstein
Volkmar Kleinert Albert Jerska
Matthias Brenner Karl Wallner
Udo
Bastian Trost
Marie Gruber Frau Meineke
Unterleutnant Axel Stigler
Thomas Arnold Nowack
Regie Florian Henckel von Donnersmarck
Drehbuch Florian Henckel von Donnersmarck
Kamera Hagen Bogdanski
Musik Gabriel Yared,
Personenhinweise

Hintergrund

Florian Henckel von Donnersmarcks sauber recherchierter Blick in Grenzbereiche der Seele verzichtet auf sacharinsüße Ostalgie und trifft immer den richtigen Ton. Er entlarvt die Mechanismen eines monströsen Überwachungssystems, das auf die Zerstörung jeglicher Individualität zielt; demaskiert die Verantwortlichen, die im Dunstkreis von Ideologie ihre persönlichen Ziele verfolgen; zeichnet Brüche in den Biografien, seismografische Erschütterungen im Räderwerk der Macht. Der Film wirft Fragen auf, die weit über die sozialistische Ideologie hinausgehen, übertragbar sind auf jede Form des Fundamentalismus, sei es in Religion oder Politik. Ausstattung, Visualität, Stilisierung, Ensemble - besser geht es nicht. Mit Martina Gedeck als psychisch zerbrechlichem Objekt der Begierde, Sebastian Koch als visionärem Theatermann, Ulrich Tukur als widerlichem Karrieristen. Wenn "Observateur" Ulrich Mühe, eingezwängt im engen Wams, ohne große Gesten oder Worte seinem Selbstzweifel Ausdruck verleiht und sukzessive seine eiskalte Präzision verliert, ist das größte und subtile Schauspielkunst. Ulrich Mühe, an dessen 65. Geburtstag das MDR-Fernsehen erinnern möchte, wurde für diese Rolle 2006 mit dem Deutschen Filmpreis, dem Europäischen Filmpreis und der Goldenen Henne ausgezeichnet. Der gebürtige Grimmaer studierte von 1975 bis 1979 an der Theaterhochschule "Hans Otto" in Leipzig. 1983 wurde er Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin. Er spielte am Wiener Burgtheater und bei den Salzburger Festspielen. Gleichzeitig wirkte er in verschiedenen Kino - und Fernsehfilmen mit, u.a. in der oscarnominierten Satire "Schtonk!" über die gefälschten Hitler-Tagebücher. 2007, nur wenige Monate, nachdem "Das Leben der Anderen" den Oscar als bester fremdsprachiger Film erhielt, erlag der Schauspieler mit nur 54 Jahren einem Krebsleiden.